Sonntag, 5. Juni 2016

Bügeln oder nicht bügeln das ist hier die Frage / Teil 2

Kommentare:
 

Im zweiten Teil möchte ich jetzt ein paar allgemeine Tipps und Ideen geben.
Ich hoffe, dass ich alles bedenke was man falsch machen kann, auch all das was mir eigentlich selber nicht wirklich in den Sinn kommen würde. Bitte Mitdenken und Rückfragen falls etwas missverständlich formuliert ist.

Folgend liste ich mal auf was mir einfällt und ich das Gefühl habe es könnte wichtig oder neu sein:
·      Also, bügeln gehört zum Nähen und hat den gleichen Stellenwert. Noch bevor ich die Nähmaschine brauche, benutze ich das Bügeleisen. 
·      Alle Stoffe die ich vorwasche( BW Stoffe, Viskose, usw) werden natürlich vor dem Zuschnitt gebügelt. Selbstverständlich darf man keinen Bug hineinbügeln. Ich war fast erschrocken als ich in den Kommentaren zu Lucys Post dahingehend was gelesen habe.
·      Es gibt aber Stoffe die nicht vorgewaschen werden weil sie nicht waschbar sind und das fertige Stück auch nicht gewaschen wird. Diese Stoffe, meist Wollstoffe müssen abgebügelt werden. In diesem Fall wird normalerweise ein sehr genau gemessenes Quadrat, Seitenlänge 100cm) auf den Stoff gezeichnet und innerhalb dieses Quadrats mit sehr feuchtem Tuch ohne Dampf gebügelt. So kann man sehr schön einen Überblick und Prozentzahl bekommen wie sehr der Stoff einspringt. Bei großen Abweichungen muss man es beim Schnitt berücksichtigen. Auf jeden Fall wird,  der ganze Stoff wie vorher das keine Stück abgebügelt. Macht man das nicht und geht der Stoff beim Nähte ausbügeln ein und es wellt sich der Stoff neben den Nähten. Das ist aber noch das kleinste Übel im ungünstigsten Fall geht der Stoff so stark ein, dass das ganz Stück nicht mehr  passt.
hier ist das Quadrat 50x50cm ich wollte nur sehen ob der Stoff eingeht aber kein Verhältnis ausrechen

·       Bügeltemperatur, Naturfaser kann man meist viel heißer bügeln als angegeben. Die Hersteller sowohl von Stoffen als auch von fertigen Stücken sichern sich mit einer sehr niedrigen Bügeltemperatur ab. Bitte aber immer eine Bügelprobe machen. Bei Stoffen ist das ja kein Problem da kann man sehr leicht auf einem kleinen Stückchen probieren wie heiß das Bügeleisen werden darf. Ich bügle BW, Leinen, Seide meist mit der Leinen Einstellung, bitte erst nach Bügelprobe nachmachen. Reine Schurwolle mit Tuch dazwischen geht auch mit der Leineneinstellung aber nicht mit dem blanken Bügeleisen! Nähseide ist auch heikel, ich habe erst unlängst eine BW-Bluse mit Leineneinstellung gebügelt, der Stoff hatte das problemlos ausgehalten aber die Nähseide war Kunstfaser und ist weggeschmolzen. So wurde unversehens aus einer kleinen Änderung für eine Freundin eine nachmittagsfüllende Arbeit. Daher generell vorsichtig sein  bei Kunstfaser, die ist wirklich sehr empfindlich auf zu heiße Bügeltemperaturen. Ich habe auch schon, mit eigenen Augen, einen Stoff komplett wegschmelzen gesehen, zum Glück habe ich da nicht das Bügeleisen geführt.
·      Was ich auch noch für wichtig/ erwähnenswert  halte obwohl es nicht direkt über das Bügeln spricht. Ab dem Zuschnitt ist das Werkstück mit Sorgfalt zu behandeln. Kann oder will man nach dem Zuschnitt nicht gleich weiterarbeiten rollt man eine lockere Rolle aus den zugeschnitten Teilen, Schnitt noch aufgesteckt, und eine zweite Rolle aus den Stoffresten. Sind die Teile schon geheftet oder in irgend einem anderen Stadium des „zusammen genäht seins“ hängen sie auf einem Kleiderbügel (ich habe gepolsterte Kleiderbügel) oder sind ordentlich über einen Hosenbügel gelegt oder liegen flach auf dem Tisch. Je nachdem ob man was mit Schulternähten oder eine Corsage oder eine Hose oder Rock aufhängen will und je nachdem wie empfindlich der Stoff ist und wie lang er hängen wird. Geheftete Teile (ungesicherte Hals und Armausschnitte) sollten nicht wochenlang abhängen, so verdehnt sich nur der Halsausschnitt und die Armlöcher dann hilft dann auch kein gutes Bügeln mehr.
Keinesfalls stopft man sein Werkstück zwischen den Arbeitsgängen in ein Sackerl oder eine Tasche, man pfeffert es auch nicht in die Ecke oder knüllte es. Ab dem Zuschnitt ist es immer super gebügelt und bleibt so. Wenn man es aber transportieren muss? Transportiert wird am Kleiderbügel mit einer Kleiderhülle darüber. Wenn es nicht anders geht, locker gerollt mit Seidenpapier dazwischen. Das alles hört sich vielleicht mühsam an, erleichtert aber die Arbeit sehr besonders die Bügelarbeiten.  Wer jetzt denk die Beispiele seien übertrieben, der irrt. Ich habe schon so manches gesehen, früher bei Nähkursen und heute wenn mich Freundinnen um Hilfe bitten. Meistens fange ich mit bügeln an obwohl das nie die Frage ist.
·      Grundsätzlich sollte man immer eher kurz bügeln. Das heißt nicht schnell bügeln sondern das Werkstück eher einbügeln als ausdehnen. Ausgedehnt wird es meistens ohnehin und ohne Absicht, daher immer eher einhalten. Es gibt wenige Situationen wo durch bügeln absichtlich gedehnt (=dressiert)  wird. (dazu kommen wir ein andermal noch). Besonders gefährdet sind Kanten, Halsausschnitt und Armlöcher. Kanten werden nicht zufällig selbst in der Konfektion besonders gesichert (geklebt) und in der Maßschneiderei durch mit der Hand auf pikierte Einlagen und Kantenbänder (bei Wollstoffen) stabilisiert.  Ein guter Trick ist bei Kanten am geraden Teil des Bügelbretts zu orientieren. Macht die zu bügelnde Kanten einen deutlichen Bogen hin zur geraden Kante ist das schlecht, leichter Bogen weg von der Kanten kann gut sein = kurz gebügelte Kante, parallel liegen ist die sicher Seite.
·       Bei größer Werkstücken ist es besser nicht mit der Schwerkraft zu kämpfen. Was soll das heißen? Die Werkstücke sollen ja nicht geknüllt werden aber große Stücke haben dann oft auf dem Bügeladen keinen Platz mehr. Ein großes, schweres Werkstück wird immer irgendwo vom Bügelladen rutschen und weil beide Hände mit dem Bügeln beschäftigt sind kann man es nicht halten. So kann man sein Werkstück so richtig „verbügeln“. Weil die Teil die gebügelt werden aus dem Bügeleisen rutschen. Besser ist das Werkstück ab zu stützten, einen Sessel knapp zum Bügelbrett stellen oder das Bügelbrett nah zu einem Tisch. Dort legt man dann das Werkstück ab und auf dem Bügelladen ist nur der Teil der gebügelt wir ohne das Gewicht das einem das Werkstück aus der Fasson zieht. Z.B Beim Bügeln des Saumes liegt der Rest des Kleides ausgebreitet über der Sessellehne des Sessels der vor dem Bügelladen steht.

Der nächste Teil wird sich mit Themen beschäftigen für der Erklärung ich unbedingt Fotos oder Video brauche. Ich glaube manches ist besser zu verstehen wenn man auch sieht was ich sonst nur mit Worte erkläre. Ein Probevideo habe ich schon gemacht aber da brauche ich ein bisserl Unterstützung von meiner Tochter und noch ein bisserl Zeit.

Kommentare:

  1. Den Tipp, das zu bügelnde Teil irgendwo abzulegen, werde ich beherzigen - das ist tatsächlich oft ein Problem, und dann wird Bügeln zum Kampf.

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  2. Das ist unglaublich interessant! Ich bügele zwar auch sehr gerne, aber wenn ich das so lese, komme ich mir vor wie eine Stümperin. Das ist schon fast eine Wissenschaft für sich inklusive der dazugehörenden Fachbegriffe.
    Ich musste eine ganze Weile überlegen, was wohl mit Bügelladen gemeint ist. Ich habe den Begriff noch nie vorher gehört aber jetzt habe ich mitbekommen, dass es ein Bügelbrett ist *hihi*
    DAnke für die tolle Serie!

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  3. Vielen Dank für deine Mühe, das Zusammenzuschreiben! Ich lese die Tipps mit großem Vergnügen und stetem Kopfnicken ;)
    LG, Bele

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